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Forschendes Lernen – Lehre und Forschung vereint

Schmuckbild Zwei Studentinnen im Labor

Im Forschenden Lernen setzen sich die Studierenden selbständig mit aktuellen Forschungsthemen aus ihrem Fach auseinander. Sie untersuchen relevante Fragestellungen mit wissenschaftlichen Methoden, werten die Ergebnisse aus und bereiten sie auf. Forschen und Lernen werden zu einer Einheit.

Kurz erklärt: Was macht Forschendes Lernen aus?

Forschendes Lernen ist das Bindeglied zwischen Forschung und Lehre an einer Hochschule. Nicht reines Wissen, sondern Handlungskompetenzen stehen im Fokus; einzelne Phasen des Forschungsprozesses, in denen die Studierenden mitgestalten, erfahren und reflektieren, sind wesentliche Elemente und Motivatoren. 

Im Forschenden Lernen generieren die Studierenden eigenes Wissen und hinterfragen es. Sie entwickeln selbst die Fragen ihres Forschungsprojekts und formulieren ihre Hypothesen. Sie wählen – mit Anleitung und Begleitung durch die*den Lehrende*n – ihre Methoden und wenden sie auf die jeweilige Fragestellung an. Im Mittelpunkt stehen Erkenntnisse, die auch für Dritte relevant sein könnten.

Schritt für Schritt

  • Welche Forschungs- und Handlungskompetenzen (methodisches und praktisches Forschungswissen) sollen die Studierenden am Ende des Prozesses erworben haben? 
  • Welche sozialen und mentalen Kompetenzen sollen die Studierenden durch das Forschende Lernen erwerben? Zum Beispiel: Kommunikationsfähigkeit, Frustrationstoleranz, Selbstvertrauen. 
  • Wie werden die erworbenen Kompetenzen überprüft? Zum Beispiel: gemeinsames Abschlussprojekt, wissenschaftliches Poster, Fachdiskussion, Versuchsdemonstration oder Lernportfolio. Da Forschung im Kern ergebnisoffen ist, kann die Prüfung nicht darin bestehen, bestimmte Inhalte abzufragen.
  • Wählen Sie Forschungsthemen, die Studierende wirklich interessieren.  
  • Unterstützen Sie die Studierenden, eine geeignete Forschungsfrage zu identifizieren. 
  • Fördern Sie die intrinsische Motivation, indem Sie authentische und praxisrelevante Fragestellungen entwickeln. 
  • Machen Sie deutlich, dass Sie selbst die Antwort auf die Forschungsfrage auch nicht kennen. 
  • Stellen Sie ein Team-Gefühl her.
  • Sorgen Sie dafür, dass die Studierenden in fachlicher und methodischer Hinsicht auf demselben Kenntnisstand sind. 
  • Stellen Sie sicher, dass nötige Ressourcen zur Verfügung stehen. 
  • Lassen Sie die Studierenden selbständig Teilfragen formulieren, ein Forschungsdesign entwickeln und selbstgesteuert die tatsächliche Forschung durchführen. 
  • Begleiten Sie und geben Sie Feedback – so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich, z.B. in regelmäßigen Präsenz- und/oder Beratungsterminen 
  • Ermuntern Sie die Studierenden, sich im Prozessverlauf gegenseitig Rückmeldung zu geben. Stellen Sie hierfür die organisatorischen Rahmenbedingungen bereit. 
  • Machen Sie klar, dass auch Rückschläge und Hindernisse zum Forschungs- und damit zum Lernprozess gehören.
  • Wie ist der (gemeinsame) Forschungsprozess zu bewerten? 
  • Welche Erkenntnisse ziehen die Studierenden aus dem eigenen Lernprozess? 
  • Wie bewerten Sie als Lehrende/r den Prozess im Rahmen des Forschenden Lernens? 

Grundlagen: Warum Forschendes Lernen?

Forschendes Lernen ist Deep Level Learning. Es ermöglicht vielfältige Zugänge zu einem Thema und wird damit der Diversität von Lernenden gerecht. Es befähigt Studierende, im Team ein Problem zu erkennen und dieses reflektiert, kriteriengeleitet und in einer angemessenen Zeit mit einer bestimmten Methode zu lösen. Damit lernen Studierende, auch in komplexen, nicht vorhersehbaren Situationen erfolgreich zu handeln. Durch die (Mit-)Arbeit an Forschungsprozessen können sie zudem Einblicke in aktuelle Forschungsthemen und -ergebnisse in ihrem Fach erhalten und in die Scientific Community hineinwachsen.

Das Forschende Lernen ist das Bindeglied zwischen Forschung und Lehre und damit ein didaktisches Konzept, das geradezu maßgeschneidert zur Hochschule passt.

Steckbrief Forschendes Lernen, ZLE (Zentrum für Lehrentwicklung), TH Köln

Herausforderungen und Lösungsansätze

Erhöhter Arbeitsaufwand: Zu Beginn sind die Studierenden zum Teil mit der hohen Eigenständigkeit überfordert und nur in geringem Maße mit gängigen Forschungsmethoden und -projekten des eigenen Fachs vertraut. Beratung und fachliche Impulse zu Forschungsthemen und -methoden können hier Abhilfe schaffen. 

Forschungsprozesse brauchen Zeit: Ein Semester ist oft zu kurz, um studentische Forschungsprojekte umfassend zu realisieren. Eine gründliche Recherche, Umwege, Rückschläge, neue Erkenntnisse, die Anpassung der Ausgangsfrage, die Präsentation gegenüber Dritten uvm. benötigen Zeit. Wenn möglich, kann sich ein Forschungsprojekt jedoch auf mehr als ein Semester erstrecken. Fragestellung, Recherche, wissenschaftliche Methoden können Inhalt in einem Semester sein, während es im folgenden darum geht, das Forschungsprojekt durchzuführen, auszuwerten und zu präsentieren.  

Sinnvolle Integration und Verknüpfung: Forschendes Lernen muss inhaltlich sinnvoll und mit angemessen vielen Creditpoints in das Curriculum integriert werden. Die Verknüpfung mehrerer Veranstaltungen eines Semesters bietet hierfür einen möglichen Rahmen. 

8 Phasen des Forschenden Lernens

Die Studierenden werden im Forschenden Lernen an allen wesentlichen Phasen eines Forschungsprozesses beteiligt und gestalten diese mit.

Bild: Zentrum für Lehrentwicklung (ZLE), TH Köln (Darstellung nach: Huber „Forschendes Lernen“)

Ein Thema finden, zu dem eine gezielte Forschungsfrage formuliert werden kann. 

Eine Frage formulieren, die tatsächlich erforscht und untersucht werden kann. 

Recherchen durchführen: Welche Forschung wurde zur Fragestellung bereits betrieben? Welche Erkenntnisse gibt es bereits? 

Verfahren und Techniken wählen, die geeignet sind, die Fragestellung zu klären. Beispiele: Befragung, Experiment.

Erhebungs- und Auswertungsmethoden zusammenstellen und planen, Erhebungszeitpunkte sowie Untersuchungsgegenstand und Stichprobe mit Blick auf die Forschungsfrage definieren

Die formulierte Fragestellung mit dem gewählten Forschungsdesign und den geeigneten Methoden unter Berücksichtigung der aktuellen Forschungslage untersuchen. 

Die Resultate und Erkenntnisse sichern, dokumentieren und (öffentlich) in nachvollziehbarer Weise darstellen. 

Die Qualität der Vorgehensweise, der Zusammenarbeit und der Ergebnisse diskutieren und beurteilen.

Praxisbeispiele & Good Practices

Header-Bild: © ThisisEngineering RAEng/unsplash.com

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