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Wie Sie mit dem Blitzexposé zum Schreiben verleiten

Ein Beitrag aus dem Schreibzentrum von Andreas Bissels

Die einen bereiten ihre Texte gedanklich penibel vor, bevor sie überhaupt das erste Wort schreiben. Die anderen tippen einfach drauflos und entwickeln ihre Gedanken während des Schreibens. Wie Sie Ihren Studierenden einen Mittelweg aufzeigen und dabei die Vorzüge eines Exposés nahebringen können, erläutern wir in diesem Beitrag.

Beim Verfassen von Texten können prinzipiell zwei Herangehensweisen unterschieden werden: Einerseits kann man mit Vorarbeit, geplant, systematisch und strukturiert, an ein Textvorhaben herangehen. Das ist insbesondere bei der Komplexität wissenschaftlicher Arbeiten und meist auch bei Texten im Studium unumgänglich. Andererseits kann man ein leeres Blatt jedoch auch spontan und assoziativ füllen, um Ideen im Schreibfluss entstehen zu lassen, auszuformulieren oder weiterzuentwickeln. Dies kann zum Beispiel dann sehr hilfreich sein, wenn man mal nicht genau weiß, wie es weitergeht – oder den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.

Beide Zugänge zum Schreiben haben ihre Berechtigung und ihre Vor- und Nachteile; beide können, je nach persönlicher Arbeitsweise, im Schreibprozess gezielt genutzt werden, um ans Ziel, den fertigen Text, zu gelangen.

Kurz erklärt: Was ist ein Blitzexposé?

Die Schreibübung Blitzexposé, die Studierende in der Konzeption ihrer Textvorhaben unterstützt, zeichnet sich dadurch aus, dass sie die beiden genannten Herangehensweisen miteinander verbindet; gerade dadurch ist sie besonders wirkungsvoll: Ziel der Übung ist es, den ersten Entwurf eines kurzen Exposés zu schreiben, dabei jedoch mehr oder minder spontan draufloszuschreiben, um den Text möglichst rasch und ohne Umschweife zu Papier zu bringen. Dabei werden sowohl die Ausgangspunkte als auch die Zielsetzung eines Schreibprojekts, etwa einer Seminar- oder auch Abschlussarbeit, reflektiert und abgesteckt. Zudem lernen Studierende die Vorteile einer schriftlich ausgearbeiteten Projektskizze kennen, die ihnen hilft, Schreibprojekte während des Studiums vorausschauend zu planen.

Und auch für Sie als Lehrende hat es unverkennbare Vorteile, Studierende ein Exposé für studienrelevante Arbeiten schreiben zu lassen: Student*innen, die ein Exposé verfasst haben, sind gut auf Sprechstundengespräche vorbereitet, in denen die Machbarkeit eines Projekts abgeklärt oder die erste Gliederung eines Textvorhabens besprochen wird. Darüber hinaus ist ein Exposé immer auch nützlich, um früh mögliche Knackpunkte oder Schwachstellen eines Vorhabens zu erkennen.

Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung können Sie Ihren Studierenden zur Verfügung stellen; zu diesem Zweck bieten wir sie Ihnen hier auch als PDF-Datei zum Download an.

Schritt für Schritt: Blitzexposé

Ein Exposé ist eine schriftliche Projektskizze und dient dazu, Ihre Seminararbeit/Projektarbeit/Abschlussarbeit zielgerichtet zu planen und umsichtig vorzubereiten. Mit Hilfe der Schreibübung Blitzexposé verfassen Sie eine solche Textplanung ganz spontan, möglichst zügig und in ganzen Sätzen. Da Sie nur für sich selbst schreiben, kommt es dabei (ausnahmsweise) nicht auf sprachliche Korrektheit oder stilistisch gelungene Formulierungen an. Vielmehr geht es darum, verschiedene Leitfragen assoziativ zu reflektieren und Ihre Antworten schriftlich festzuhalten.

Die Übung kann, je nach Vorliebe, entweder handschriftlich oder am Computer durchgeführt werden. Achten Sie aber darauf, dass Sie Ihr Schreibmedium hin und wieder wechseln. Das heißt: Wenn Sie sonst nur mit Ihrer Tastatur schreiben, nehmen Sie die Übung doch zum Anlass, auch mal zu Stift und Papier zu greifen und so für ein wenig Abwechslung im Schreiballtag zu sorgen.

Für die Übung ist ein sehr kurzer Zeitrahmen von nur 20 Minuten vorgesehen; setzen Sie sich also am besten einen Timer – und legen Sie los! Fangen Sie einfach an zu schreiben. Schreiben Sie Ihren Text möglichst in einem Rutsch, ohne den Stift dabei vom Papier zu nehmen oder Ihre Formulierungen zu bewerten. Beantworten Sie dabei die folgenden Leitfragen. Können Sie eine der Fragen nicht beantworten, überlegen Sie sich ggf. eine alternative Frage oder gehen Sie zur nächsten Frage über:

  • Wie lautet das Thema Ihrer Arbeit? Womit beschäftigen Sie sich?
  • Wie lautet Ihre Fragestellung? Was möchten Sie herausfinden oder zeigen?
  • Welche Aspekte sind dabei besonders interessant/relevant? An welches fachliche Problem schließen Sie an?
  • Welches Ziel verfolgen Sie dabei? Was möchten Sie mit Ihrem Text erreichen?
  • Welche Daten, welche Materialien werden untersucht?
  • Wie gehen Sie vor? Welche Methoden setzen Sie ein – und warum?
  • Welche Hilfsmittel benötigen Sie?
  • Wie sieht Ihre zeitliche Planung aus? Haben Sie sich Etappenziele gesetzt? Gibt es eine Deadline?

Nachdem die Zeit abgelaufen ist, lesen Sie sich in aller Ruhe durch, was Sie geschrieben haben. Wenn Sie an der ein oder anderen Stelle noch unsicher sind oder keine Antwort finden konnten, wissen Sie nun, worüber Sie noch nachdenken und was Sie noch klären sollten. Ihr fertiges Blitzexposé können Sie als Reflexionshilfe für Ihr weiteres Vorgehen und die konkrete Vorbereitung Ihres Schreibprojekts nutzen – ganz egal, ob es um eine Seminar-, Projekt- oder Abschlussarbeit geht. Außerdem können Sie Ihren spontanen Entwurf weiter ausarbeiten, ausformulieren und so zur Grundlage für eine zielführende Diskussion Ihres Vorhabens mit Ihrer Betreuerin bzw. Ihrem Betreuer machen.

Header-Bild: © Who is Danny/stock.adobe.com

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