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adapter + cables! – Eindrücke aus hybrider Lehre 

Dekobild: USB C Adapter mit verschiedenen Anschlüssen wie HDMI und USB

Ein Erfahrungsbericht zur hybriden Lehre von Prof. Dr. Nadine Zinser-Junghanns

Von HDMI auf USB-C, von VGA auf USB, von USB auf USB-C, von Alt auf Neu, von A nach B und wieder zurück! Wer hätte gedacht, dass diese kleinen Überbrückungskabel darüber entscheiden, ob ich arbeiten kann oder nicht. Als wir coronabedingt noch vollständig im Remote-Modus arbeiteten, war es ein leichtes, zu Hause den Laptop aufzuklappen und zu starten. Nun überlege ich vor jeder Lehrveranstaltung, in welchem Format wir uns treffen, welche Geräte und vor allem welche Adapter und Kabel ich dafür brauche!

Rückblick

Die plötzliche Umstellung im März 2020 von analoger auf digitale Lehre war herausfordernd – aber machbar. Ich war, bedingt durch meinen Wohnort und kleiner Familie in München, zuvor schon öfter digital auf Sendung. Dass jedoch ein kleines analoges Virus die Digitalisierung in diesem Maße vorantreibt, wie wir es in den letzten zwei Jahren erlebt haben, lag außerhalb meiner Vorstellungskraft. Plötzlich waren nach einer kurzen Zeit der Starre Besprechungen und Vorlesungen via Zoom möglich. Jede*r konnte sich zuschalten, Anfahrtszeiten sind weggefallen. Die Gesprächskultur ist eine andere, letztendlich geht es aber um den inhaltlichen Austausch. 

Nach zwei Jahren der digitalen Lehre war mein Gefühl zwischen burned- out und bored-out. Immer am gleichen Ort, nur geplante Treffen, alles im Laptop-konformen Format. Wie wird es den Studierenden gehen, die keinen oder wenig informellen Austausch haben? Wie können sie studieren, ohne das Hochschulleben analog zu spüren? Können wir überhaupt im Bereich der Gestaltung Inhalte ausschließlich über den Bildschirm übermitteln und mit den Studierenden arbeiten? Die ersten Betreuungen und Besprechungen fanden ab dem Sommersemester 2022 wieder vor Ort statt und wir fühlten alle, wie uns der persönliche Austausch und das informelle Gespräch gefehlt haben. Gleichzeitig spüren wir den großen Vorteil der digitalen Vernetzung und örtlichen Unabhängigkeit. 

Es ist eine neue Zeit in der Lehr- und Lernwelt angebrochen. Wir können und müssen durch die Erfahrungen der letzten Jahre die positiven Aspekte aus beiden Welten verbinden und uns adaptieren. Aus analog und digital wird hybrid! 

Hybride Lehr- und Lernszenarien 

Wie sehen mögliche hybride Lehr- und Lernszenarien aus und wo ergeben sie Sinn? Hybrid kann die Mischung aus analogen und digitalen Veranstaltungen sein, aber auch die Kombination ihrer Bausteine. Hybrid kann der Raum sein, in dem wir uns befinden und mit realen und virtuellen Elementen arbeiten. Hybrid kann neben der Ausstattung aber auch die Ausrichtung der Architekturlehre bedeuten, welche sich mit der Gestaltung von realem, virtuellem und hybridem Raum beschäftigt. Hybrid heißt letztendlich die Kombination von inhaltlichen und organisatorischen Parametern verschiedener Bereiche. 

Das von mir gegründete hybride space+ lab beschäftigt sich genau mit dieser Thematik und dient als Forschungs- und Experimentierfeld. Ziel ist die Gestaltung sinnstiftender Atmosphären, die den räumlichen Rahmen für die Perzeption und Interaktion von Mensch und Umwelt schaffen. In Partizipation mit einem Kollektiv aus Studierenden haben wir letztes Sommersemester unterschiedliche hybride Szenarien für die Lehre im Architekturstudium untersucht und ausgewertet. 

Hybride Ausstattung 

Erster Schritt war die hybride Ausstattung der unterschiedlichen Lehrszenarien: Welche technische Ausstattung, räumliche Konfiguration und menschlichen Support benötigen wir, um visuell, auditiv und interaktiv arbeiten zu können? 

  • Vorlesung 
  • Kolloquium groß 
  • Kolloquium klein 
  • Tischkritik 
  • Besprechung

Wir testeten unterschiedliche Hard- und Software und versuchten, möglichst wenig Kabelsalat zu erzeugen. Das kabellose Tischmikrofon hat sich bei kleineren Betreuungen oder Besprechungen als sehr hilfreich gezeigt – aber nur, wenn es mittig auf dem Tisch steht! Die kleine Kamera auf dem Stativ ist schnell aufgebaut, benötigt aber einen USB-C Anschluss – wo ist der Adapter? Außerdem braucht sie Strom – die Steckdosen sind aber ganz hinten im Raum und das Kabel nicht lang genug!

Alle Geräte haben ein Eigenleben und sollen nun gleich einer WG mit wechselnden Bewohnern miteinander funktionieren. Eine Herausforderung, der wir uns aber stellen und die auch zu neuen Lösungen führt. So fehlte im hybriden Seminar mal wieder der HDMI-auf-USB-C Adapter für den Beamer. Da sowieso alle Studierenden einen Laptop vor Ort oder zu Hause hatten, ließen wir die Präsentation der Recherche einfach über Zoom laufen und verzichteten auf den Beamer. Die visuelle Teilnahme war so für alle gleich und der technische Aufwand reduziert. 

Beurteilung der unterschiedlichen hybriden Szenarien

Es zeigte sich, dass sich einige Formate besser für ein hybrides Setting eignen als andere: 

+ kein Unterschied für Publikum vor Ort 

+ gutes Bild

+ Ton für externes Publikum (Zoom) 

+ Teilnahme von externem Publikum möglich 

+ kurze Zeit für Aufbau 

– Assistenz zur Steuerung von Kamera, Beamer etc. erforderlich

– Fragen von Publikum vor Ort nur via Mikrofon verständlich

→ sehr zu empfehlen, wenn assistiert

+ bessere Visibilität von Plänen + Modellen für Publikum vor Ort

+ gutes Bild

+ Ton für externes Publikum (Zoom)

+ Teilnahme von externen Prüfer*innen möglich 

+ Teilnahme von externen Prüflingen möglich

– längere Zeit für Aufbau

– mobile Kamera nur kabellos möglich, Netzwerk erforderlich 

– Assistenz zur Steuerung von Kamera, Beamer etc. erforderlich 

→ zu empfehlen, wenn assistiert 

+ Teilnahme von externen Prüfer*innen möglich

+ Teilnahme von externen Prüflingen möglich 

+ direktes Feedback möglich

– längere Zeit für Aufbau

– mobile Kamera nur kabellos möglich, Netzwerk erforderlich

– Assistenz zur Steuerung von Kamera, Beamer etc. erforderlich

– Internet (Eduroam) nicht ausreichend

– schlechtes Bild bei Gegenlicht 

→ zu empfehlen, wenn assistiert 

+ Teilnahme von externen Studierenden möglich

+ Visibilität analoger Modelle via Kamera möglich

– Visibilität von Plänen digital besser

– technische Einweisung der Lehrenden nötig

→ möglich in Ausnahmefällen, besser ganz digital oder präsent

Klar wurde auch, dass die hybride Lehre im Kollegium und bei der Studierendenschaft unterschiedlich akzeptiert und befürwortet wird. Dies liegt nach meiner Einschätzung unter anderem an dem Festhalten an Altbewährtem aber auch an der Rolle von Empfänger*in und Sender*in. Der direkte Kontakt und die Möglichkeit der Interaktion ist für die erste Gruppe deutlich wichtiger als für die zweite. 

Die Gleichstellung aller Beteiligten und die Möglichkeit der Partizipation ist ein sehr wichtiger Aspekt in der Beurteilung der hybriden Lehre. Dies kann von zwei Seiten aus betrachtet werden: der analoge, teilweise auch informelle Austausch zwischen und unter Lehrenden und Studierenden ist für das soziale Gefüge grundlegend. Was aber, wenn ein Zimmer in Köln nicht leistbar ist und Studierende coronabedingt in eine schwierige finanzielle Lage geraten sind? Unser humaner Anspruch der Lehre gibt uns vor, Chancengleichheit zu schaffen. Daher versuche ich mich im Rahmen des Möglichen und sinnvollen hybrid zu adaptieren! 

Hybride Ausrichtung

Neben der hybriden Ausstattung der Lehre sehen wir im space+ lab vor allem in deren hybriden Ausrichtung große Möglichkeiten und Chancen: 

Wir arbeiten und experimentieren mit analogen und digitalen Werkzeugen im realen, virtuellen und hybriden Raum. Wir treffen uns via kabelloser(!) VR- Brillen im Space, um gemeinsam Raum neu zu erfahren und zu gestalten. 

Wir beamen uns mittels 360-Grad-Bildern in analoge Modelle hinein, um diese beurteilen und diskutieren zu können. Wir kuratieren Ausstellungen, um der Frage nach Beschaffenheit, Logik und Ästhetik des hybriden Raumes nachzugehen. Wir installieren in Kooperation mit dem Forschungsprojekt REDiEE einen mixed reality spaces, um mit Studierenden an diesem Thema weiterzuarbeiten und zu forschen. Wir möchten uns nicht zwischen analog und digital, real und virtuell entscheiden. Wir versuchen, beide Welten sowohl technisch als auch inhaltlich sinnvoll miteinander zu verbinden. Wir möchten offen bleiben für Neues und Strukturen und Prozesse adaptieren! Wir lehren, lernen und forschen hybrid! 

Header-Bild: © cronislaw/stock.adobe.com

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